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Semaphor Cuxhaven

Geogr. Lage: 53°52´N 08°42´O    Standort: An der Alten Liebe    Errichtet: 1. August 1884    Außer Betrieb: 1968



Semaphor (griech.: Zeichenträger, Küstentelegraph)

Optische Telegraphen wurden 1873 bei den Seetelegraphen-Stationen eingeführt und zugleich als meteorologische Sturmsignalstellen benutzt.
   Semaphore sind gewöhnliche Masten mit mehreren verstellbaren Flügeln, die je nach ihrer verschiedenen Stellung (waagerecht, schräg nach oben oder unten) zueinander verschiedene Buchstaben oder Zahlen bedeuten.
(Meyers Großes Konservations-Lexikon, 1905)


   Voraussetzungen zum Betreiben des Semaphors in Cuxhaven waren Telegraphenübermittlungen von Windstärken und -richtungen von Borkum und Helgoland:

1873 wurde von Neuwerk aus das erste Telegraphenkabel nach Helgoland verlegt.


1884
Erster Semaphor Cuxhaven in Betrieb genommen

Errichtung eines Semaphors zu Cuxhaven
[NfS. No. 1166 v. 2.8.1884]


   Auf dem Deich bei der Alten Liebe zu Cuxhaven ist ein Semaphor errichtet worden, durch welchen vom 1. August d. J. ab den auslaufenden Schiffen Richtung und Stärke des bei den Inseln Helgoland und Borkum wehenden Windes angezeigt werden soll.
Die Richtung des Windes wird durch einen Zeiger auf einer in Kompaß-Striche eingetheilten Scheibe angegeben, während die Zahl der über derselben aufgezogenen Arme des Telegraphen doppelt genommen die Zahl der Windstärke b nach der Beaufort-Skala angiebt. Die Buchstaben H und B zeigen an, ob die Angaben auf Helgoland oder auf Borkum zu beziehen sind.

Der Semaphor wurde zuerst mit dem Schiffsmast des in der Unterelbe gestrandeten Schiffes "Aurora" erbaut.

Semaphorstation zu Cuxhaven
[NfS. No. 1499 v. 20.9.1884]

   Nach einem Bericht des Kommandanten S.M. Kbt. "Drache", Korv.-Kapt. Holzhauer, ist der rothe Semaphormast zu Cuxhaven so gestellt, daß die Angaben desselben für Richtung und Stärke des Windes aus südöstlicher Richtung, also elbaufwärts von Cuxhaven, direkt gesehen werden.
   Von hier aus giebt die linke Seite des Mastes die Windstärke und Richtung von Borkum, die rechte Seite die von Helgoland an.
   Sollte eine der Telegraphenleitungen von diesen Inseln nicht funktioniren oder das betreffende Telegramm außerordentlich lange auf sich warten lassen, so wird an der betreffenden Seite ein rother Ball aufgezogen, die Flügel eingenommen und der Windzeiger auf Süd gestellt.


Beschreibung der Semaphorstation
[NfS. No. 1748 v. 01.11.1884]

(Beschreibung ist fast gleich wie die Angaben des Segel-Handbuches v. 1898)
1889

Errichtung einer Signalstange
[NfS. Nr. 2291 v. 16.11.1889]

   Die "Deputation für Handel und Schiffahrt" zu Hamburg hat am 15. Oktober d. J. bekannt gemacht, daß auf dem Bollwerk Alte Liebe an der Westseite der Hafeneinfahrt von Cuxhaven eine Signalstange mit Flügel (Semaphor) errichtet worden ist, um einkommenden Schiffen eine etwaige Versperrung der Hafeneinfahrt durch ein Signal anzuzeigen.
   Das für diesen Fall vorgesehene Signal wird in der Weise gegeben, daß der Semaphorarm in horizontaler Lage nach der Stromseite hin aufgezogen wird. So lange dieses Signal gezeigt wird, ist das Einlaufen in den Hafen verboten. ...
1896
1898

[Segel-Handbuch für die Nordsee, Erster Theil, Drittes Heft, 1898 S. 138.]

   Auf dem Deich bei der Alten Liebe ist ein Semaphor aufgestellt, durch welchen den auslaufenden Schiffen Richtung und Stärke des bei Helgoland und Borkum wehenden Windes angezeigt wird. Diese Angaben werden dreimal am Tage für 8h a. m., 2h und 8h p.m. von beiden genannten Orten telegraphisch bisher gemeldet und durch den Semaphor zur Anschauung gebracht. Derselbe besteht aus einem Mast mit Raa, an deren Nocken je ein senkrecht stehender Kreis befestigt ist. Die östliche mit H bezeichnete Scheibe gilt für Helgoland, die westliche mit B bezeichnete für Borkum. Der um den Mittelpunkt einer jeden Scheibe drehbare Zeiger wird auf die zu signalisierende Windrichtung -- die Scheiben sind in 16 Striche, Norden nach oben, getheilt -- eingestellt. Der Apparat ist so aufgestellt, daß alle Angaben desselben elbaufwärts, also südlich von Cuxhaven direkt und der Windrose entsprechend abgelesen werden; sieht man den Apparat von Norden her, so erscheinen die östlichen Striche links, die westlichen rechts vom Auge des Beobachters.
   An beiden Seiten des Mastes befinden sich über der Raa je sechs Arme, welche horizontal gestellt werden können. Jeder Arm bedeutet eine gerade Zahl der Beaufort-Skala für den darunter befindlichen Kreis. Wird ein Arm gezeigt, so bedeutet dieses Windstärke 2, zwei Arme Windstärke 4 u.s.w. wird ein rother Ball aufgeheißt, so ist das betreffende Telegramm von Borkum oder Helgoland ausgeblieben oder aus Versehen ein unrichtiges Signal gegeben.

Die Signale wurden zweimal am Tage eingestellt. Dazu wurde nach Eingang der telegraphischen Meldungen der Semaphor auf Stellung "Ankündigung" gestellt, bevor die neue Indikatoren-Stellung erfolgte.
1899

Instandsetzung des Semaphors
[NfS. Nr. 2024 v. 20.7.1899]

    Wegen Vornahme von Instandsetzungsarbeiten an dem Semaphor für Windsignale bei der Alten Liebe zu Cuxhaven werden diese Signale zeitweilig, etwa von Mitte bis Ende Juli d. J., nicht gezeigt werden.
1902

Windsemaphorsignale ergänzt
[NfS. No. 1088 v. 14.6.1902]

   Nach Mittheilung der Direktion der Seewarte in Hamburg vom 6. Juni d. J. gelangt auf den Windsemaphorstationen bei dem Leuchtthurme zu Cuxhaven, Elbe-Mündung, und bei dem Hoheweg-Leuchtthurme an der Weser-Mündung das früher erwähnte besondere Signal am 15. Juni d. J. zur Einführung:

Beschreibung und Bedeutung des besonderen Signals:

   Eine halbe Stunde vor jeder Beobachtungszeit der Windmeldestationen am Mittag und Abend und mit Eintritt der Dunkelheit werden auf jeder Seite des Semaphors der oberste Windstärkeflügel unter einem Winkel von 45° zur Horizontalen nach oben gerichtet eingestellt, die übrigen Flügel und der Richtungsanzeiger auf den Scheiben aber gesenkt. Auf dieses Weise soll der Verwechslung der Beobachtungen von verschiedenen Zeiten des Tages vorgebeugt werden.
   Ist jedoch ein Extra-Telegramm mit einer Windmeldung eingetroffen, so bleibt das dem Extra-Telegramm entsprechende Signal bis zur Ankunft des nächsten Telegrammes bezw. bis Eintritt der Dunkelheit hängen.
   Liegen Störungen vor, die das signalisiren des Windes unmöglich machen, oder sind Windmeldungen ausgeblieben, so wird ebenfalls das oben beschriebene Signal gezeigt; dieses bleibt während der ganzen Dauer der Störung bestehen.

1903

Windsemaphor zerstört
[NfS. Nr. 2507 v. 28.11.1903]

    Nach telegraphischer Mitteilung des Küstenbezirksamtes in Bremerhaven vom 21. November d. J. ist in Cuxhaven der Windsemaphor durch einen Sturm umgeweht.
1904
Errichtung des Semaphors in Stahlkonstruktion

Windsemaphor wieder in Betrieb
[NfS. Nr. 2516 v. 10.12.1904]




    Nach Mitteilung des Küstenbezirksamtes in Bremerhaven vom 1. Dezember d. J. ist der Windsemaphor in Cuxhaven, welcher im November vorigen Jahres durch einen Sturm umgeweht worden war, wieder errichtet worden. Die Windsignale für Borkum und Helgoland werden in Cuxhaven wieder in der früheren Weise gegeben.

"Ansteuerung Cuxhaven" v. 1910

1915

Betriebseinstellung
[NfS. Nr. 920 v. 15.5.1915]

Geogr. Lage: Ungf. Lage: 53°52½´N, 8°42 ¾´O.
Angaben: Der Windsemaphor in Cuxhaven ist wegen Instandsetzungsarbeiten zeitweilig außer Betrieb.
Die Semaphortelegramme hängen bei der Signalstation aus.

Betriebsaufnahme
[NfS. Nr. 1042 v. 29.5.1915]

Die Instandsetzungsarbeiten an dem Windsemaphor in Cuxhaven sind beendet. Die Windsignale werden wieder regelmäßig gezeigt.
1919

Semaphor fertiggestellt
[NfS. Nr. 2595 v. 13.9.1919]



    Der Windsemaphor in Cuxhaven ist wieder fertiggestellt; Windsignale werden wieder regelmäßig gezeigt.
Ungf. Lage: 53°52´N, 8°43´O.
1929

Semaphor geändert
[NfS. Nr. 2299 v. 29.6.1929 ]

Geogr. Lage: Ungf. Lage: 53°52´N, 8°43´O. auf dem Deich der Alten Liebe
Angaben: Am Windsemaphor wird seit dem 1.4.1929 zusätzlich die Windmeldung Helgoland von 0400u gezeigt.
1968
Das Wasser- und Schiffahrtsamt Cuxhaven erklärte den Semaphor als für die Schiffahrt nicht mehr benötigtes Bauwerk.

1971
   Durch vielfältige Initiativen der Cuxhavener Bevölkerung wurde es möglich, daß eines der Wahrzeichen der Stadt erhalten werden konnte.
   Am 3. April 1971 wurde das Semaphor als technisches Denkmal eingeweiht.
1982

   Seit 1982 ist der Semaphor außer Betrieb und wird durch private Initiativen unterhalten.

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