Deutsche Küste > Jade > Mellum





Mellum-Bake

Geogr. Lage: 53°43´N-Lg. 8°8´O-Lg.     Standort: "Hohe Mellum"     Errichtet: 1410 / 1457 / 1875
    Abgebrannt: in der Nacht vom 17. zum 18. August 1976



   Die Mellum wurde schon 1410 als "Mellem" dann "Melm", ihre Ausläufer im 15. Jahrhundert "Melmsterdt" und im 17. Jahrhundert mit "Schmidtsteert" bezeichnet.
   Der Name soll von einem sagenhaften (?) Schlosse "Mellum" entlehnt sein, welches 1066 von der See verschlungen sein soll.







    Von Budjadingen zieht sich zwischen Außenjade und Weser eine "Hoher Weg" genannte Wattzunge nach Norden; sie endet mit der Mellumplate. Hier bildete sich ein hufeisenförmiger nach Südosten offener Dünenwall, genannt: Hohe Dünkirchen. In seinem Schutz entstand das Grünland der Alten Mellum.


1066
Vor Mellum wurde in der Wesermündung die erste Seetonne ausgelegt.
1410
Ein Mellum-Kaap oder -Bake wird erstmals urkundlich erwähnt.
1457
Mit Sicherheit hat im Jahre 1457 auf Mellum eine Bake gestanden.
1697
Bremen stellt auf Mellum eine Bake auf, welche später abbrannte. Da die Baken jeweils nur eine kurze Lebensdauer hatten, mußten sie immer wieder erneuert werden.
1804

Errichtung von zwei Baken
["Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten", Num. 156,
Sonnabend, den 29.September Anno 1804]

Bremen, den 24sten September 1804

   "Am Ausfluss der Weser auf dem Melm Sande (alte Bezeichnung für den Mellum-Sand) sind zum Versuch zwey Baken errichtet worden und kann folgendes darüber den Seefahrenden zur Nachricht dienen.
Die südliche dieser Baken ist die höchste und vollständigste, die nördlichere besteht aus einer einzelnen Stänge, die erstere hat 40 Fuß* und die letztere 32 Fuß* Höhe. Beide Baken sind an ihren Spitzen mit einer langförmigen Kuppel versehen, welche der Länge nach mit den Baken in gerader Linie stehen, so, daß wenn beyde Baken ineinander gesehen werden, man auch längs der Kuppel sieht.
Den aus Westen in die Weser kommenden Schiffern dienen diese Baken zur Anweisung der Melm Tonne, indem beyde Baken mit dieser Tonne in gerader Linie stehen.
Schiffen, die aus Norden kommen, können, sobald sie diese Baken ansichtig werden, solche zwischen Süden und Süden zum Westen von sich bringen, oder in einer Linie halten, so lange bis sie die Melm Tonne paßirt sind, und dann ihre Fahrt nach den folgenden Tonnen richten.
Beyde Baken stehen Süden 5 Grade westlicher und Norden 5 Grade östlicher, nach dem ordinairen Schiffs-Compaß, 300 Fuß von einander entfernt.
Von der äußersten weißen Tonne an Tegelers Plate No. 3 sieht man diese Baken zwischen Südwest und Südwest zum Westen oder Südwest 5 Grade westlicher.
Der Thurm auf Wangeroog steht von diesen Baken in West Nord Westen.
Die Minser-Kirche im Jeverland ist bey den Baken in West Süd Westen 2 Grade westlicher zu sehen, alles nach einem ordinairen Schiffs-Compaß."

* 1 Fuß = 289,35 mm in Bremen
1875
Mellum-Bake errichtet

Errichtung der Mellum-Bake
[NfS. No. 781 v. 11. Dezember 1875]







   Auf der Westseite der Bank "Hohe Mellum" in der Jade ist eine hölzerne, pyramidenförmige Bake errichtet worden. Die Spitze der auf der Bake stehenden Flaggenstange befindet sich 23,5 Met. über dem Erdboden. Die Flaggenstange ist 2,5 Met. hoch, so dass die Spitze der Bake sich 21,2 Met. über dem Erdboden befindet. Der obere Theil der Bake ist mit Latten verschalt. Die Verschalung beginnt 9,5 Met. über dem Erdboden und reicht bis zur Spitze hinauf, ist somit 11,5 Met. hoch. Am unteren Ende der Verschalung ist die Bake 6 Met. breit. Die Bake ist schwarz angestrichen und wird Mellum Bake genannt werden.
In dem verschalten Theil der Bake befindet sich eine Kammer zur Aufnahme Schiffbrüchiger; eine eiserne Leiter führt nach der Kammer hinauf.
Geogr. Lage: 53°42´58´´Nord-Br., 8°7´40´´Ost-Lg.
1878

Beschreibung der Mellum-Bake
[Die Schiffahrtszeichen an der deutschen Küste, 1878]

   Hohe Mellum (No.1017)





Geogr. Lage: 53°42´58´´N, 8°7´44´´O
Zweck:Orientierungsmarke in der Aussenjade und untern Innenjade;
hauptsächlich aber Richtungsmarke durch das Fahrwasser zwischen dem Minsener Sand und dem Minsener Olde-Oog.

Beschreibung: Hölzerne pyramidenförmige Bake.
Auf Zangen, die auf eingerammten Grundpfählen aufgezapft sind, ruht das aus 4 Ständern und
einem Kaiserstiel bestehende Bakengerüst, welches von 9,5 bis 20 m Höhe über dem Erdboden verlattet ist.
Darüber eine 2,5 m hohe Spitze, welche eine 2,5 m lange Stange mit eingeschorener Flaggenleine trägt.
In den verlatteten Raum, in dessen unteren Theil sich eine mit Wasser und Hartbroth verproviantirte Kammer
zur Aufnahme Schiffbrüchiger befindet, führt eine eiserne Leiter.

Erkennungsmerkmale: Schwarz

Höhe der Spitze des Zeichens über Hochwasser: 25,0 m
Höhe der Spitze des Zeichens über Erdboden: 24,5 m

Sichtweite des Zeichens: 9 Sm

1880
   Etwa ab 1880 war die Mellum-Bake Rettungsunterkunft der "Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger".
1898

   Mellum-Bake







auf der bei Hochwasser trockenbleibenden Stelle der Alten Mellum, ist 21,5 m hoch und hat die Form einer vierseitigen Pyramide. Der obere, spitz zulaufende Theil ist mit Latten bekleidet.
   Auch diese Bake ist mit einem Raum zur Aufnahme von Schiffbrüchigen versehen.
Sie ist 9 bis 10 Sm weit sichtbar.
1907
1920

Ein Ersatz der Bake ist erforderlich

   Die alte Bake von 1876 ist völlig baufällig und muß dringend erneuert werden.
Der Kostenvoranschlag, aufgestellt vom Marinebaumeister am 23. April 1920, für den Neubau der Rettungsbake ist mit 90 000,- Mark beziffert. Der Voranschlag wurde vom Strombaudirektor W. Krüger abgezeichnet.
Er beschreibt das Bauwerk 1924 wie folgt:

"Bald sind wir an der Bake. Diese dient als Hilfspunkt bei der Seevermessung und soll deshalb eine auffällige Form haben. Vom Watt bis zur Spitze ist sie 20 m hoch. Auf halber Höhe liegt eine Plattform, und auf ihr als Zufluchtsort für die Mannschaft etwa auf Mellum gestrandeter Schiffe eine Bude mit Stroh, Wasser und Hartbrot. ..."

1921
Neue Mellum-Bake wird errichtet

Errichtung einer neuen Bake
[NfS. No. 2831 v. 6. August 1921]

   Auf Mellum wird zurzeit SO-lich von der vorhandenen Mellum-Rettungsbake auf 53°42´29´´N, 8°8´20´´O eine neue Bake von gleicher Form errichtet. Die alte Bake steht noch.

Rettungsbake beseitigt
[NfS. No. 3507 v. 24. September 1921]

   Die Rettungsbake auf Mellum auf 53°42´57,9´´N, 8°7´55,2´´O ist beseitigt.
SO-lich davon ist etwa auf 53°42´39,2´´N, 8°8´12,4´´O eine neue Rettungsbake von gleicher Form errichtet. Genaue Lage wird noch bekannt gegeben.

Lage der Bake
[NfS. No. 4012 v. 29. Oktober 1921]

   Die Lage der neuen Mellum-Rettungsbake ist zu 53°42´38,8´´N, 8°8´21,8´´O bestimmt worden.
1922
Neue Mellum-Bake errichtet

   "... Diese Bake ist erst im Jahre 1922 von der Besatzung der "Minseroog" und einigen seegewohnten Zimmerleuten gebaut. Die alte 1876 westlich des Grünlandes errichtete Bake war völlig baufällig; an ihr war zuletzt bei Hochwasser 2 Meter Wasser, so daß sie nur schlecht für Schiffbrüchige zugänglich war. An der neuen Bake ist bei Hochwasser 40 Zentimeter Wasser, so daß die Bauhölzer leicht herangeflößt werden konnten und trotzdem Schiffbrüchige die Bake auch bei Hochwasser erreichen konnten.
Alle Rundhölzer sind teergetränkt, die Latten mit Karbolineum gestrichen, alle Beschläge verzinkt und alles so verzimmert, daß nirgends Wasser stehen bleiben kann. Die Bake hat daher Aussicht auf langen Bestand. Der Karbolineumanstrich ist aber schon von der Seeluft stark verwittert und muß unbedingt erneuert werden. Schnell die eiserne Leiter herauf. Oh, wie sieht es in der Bude aus! Piraten haben den größten Teil des Hartbrotes mitgenommen und alles durcheinander gekramt. Diesen Leuten ist es einerlei, ob andere durch ihre Zerstörungswut zugrunde gehen. Sonst ist aber die Bake gut im Stand.
   Die Bude, die mit Erlaubnis des Lotsenkommandos im Sommer auch dem Vogelwärter als Aufenthaltsort dient, hat zwei Räume, ist insgesamt 4,3 mal 3,3 Meter groß., also wohl klein, aber doch gut gegen den Wind geschützt."







   Im Dezember 1921 strandete der Dampfer "SATURN" nördlich von Mellum. Die Besatzung rettete sich in die Mellum-Bake und mußte von Weihnachten bis Silvester auf der Bake ausharren..
1924

[Mellum 1924, Vogelwartbericht von Werner Sunkel, Marburg (H.)]

   "... Als Behausung dienten mir die zwei kleinen Zimmer der Spitz-Bake; sie waren nicht nur mit Schlaf- und Kochgelegenheit ausgestattet, sondern enthielten auch mancherlei für die ornithologischen Arbeiten Nötiges. - In den ersten Monaten überwog die Vogelschutzarbeit; schon frühmorgens, ja mitten in der Nacht mußte ich wegen der Eierräuber auf der Hut sein und oft die steile eiserne Leiter von meiner luftigen Behausung herunter und über das meist feuchte Watt nach dem wenige Minuten entfernten Grünland eilen, um die Vogelbruten vor menschlicher Habgier zu schützen. "

1931






   "... Mellum-Bake, auf der Alten Mellum, ist 21,5 m hoch und hat die Form einer vierseitigen Pyramide. Der obere, spitz zulaufende Teil ist mit Latten bekleidet und hat einen Raum zur Aufnahme von Schiffbrüchigen. Die Bake ist etwa 9 bis 10 sm weit sichtbar.



    "... Die Mellumbake auf dem Watt Alte Mellum hat einen Unterkunftsraum mit Hartbrot, Wasser und Stroh zur Aufnahme von Schiffbrüchigen. Eine auf vier Pfählen ruhende, 8,5m hohe Wohnbake mit einem 8 m hohen Mast, in deren ganz geschlossenem oberen Teile ein Wohnraum mit allem Nötigem für Schiffbrüchige ist, steht etwa 300 m südsüdwestlich von der Minsener-Oog-Bake , die ihrerseits ebenfalls einen Unterkunftsraum für Schiffbrüchige enthält."
1933
Die Bake wurde letztmalig überholt
1957






   Trotz Überholungsarbeiten ist die Bake in keinem guten Zustand.
Das "Wasser- und Schiffahrtsamt" erwägt einen stählernden Neubau von 69 000,- DM, doch die Standfestigkeit des Bauwerkes ist nicht mehr vorhanden.
   Für einen Neubau konnte man sich nicht entschließen, jedoch mußte durch Ketten das Fundament verspannt werden.

Gleichfalls wurde der Unterkunftsraum aus Gewichtsgründen beseitigt. Er wurde auch nicht mehr benötigt, da inzwischen ein Vogelwärterhaus errichtet wurde.
1976
Mellum-Bake beseitigt

Mellum-Bake abgebrannt

   In der Nacht vom 17. zum 18. August 1976 brannte die Rettungsbake ab. Angeblich waren durchgeführte Schweißreparaturarbeiten die Ursache.
Die letzte Bake hatte ein eisernes Traggestell und stand im Watt vor der, im Laufe der Jahre auf 120 qm Sandfläche zusammengeschrumpften, heutigen Vogelinsel Mellum.
   Ein Wiederaufbau der Bake ist bis heute nicht erfolgt. Vom Wasser- und Schiffahrtsamt Wilhelmshaven erstellte Berechnungen ergaben damals eine Bausumme von ca. DM 90.000,00 bei einem Aufbau aus Stahl. Eine verkleinerte Bake im Maßstab 1:3 hätte damals, unter Verwendung vorhandener Materialien, DM 25.000,00 gekostet.

Mellum-Bake beseitigt
[WSA Wilhelmshaven, 18.VIII.1976 (69);
(NfS. 3114 v. 28. August 1976)]

Geogr. Lage: Ungf. 53°42,6´N 8°08,2´O, am Ort der beseitigten Bake
Karteneintragung: Unr.
Angaben: In Krt. D.49, D.49D ist nur die Bake zu streichen.
1977

Pfahlstümpfe in der Mellumbalje bezeichnet
[NfS. Nr. 3386 v. 27.8.1977]







Geogr. Lage: 53°42´08´´N 8°´08´03´´O
Karteneintragung: Weiße Stange mit S-Toppzeichen.

Seitdem steht nur noch die Vogelschutzhütte auf der Mellum.


Das ehemalige Wahrzeichen von Mellum ist heute das
Emblem des Mellumrat e.V


Eine sehr ähnliche Bake als Logo hat die
"Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer"

< < zurück