Deutsche Küste > Fahrwasser der Weser





Jungfernbake

Geogr. Lage: 53°42´56´´N-Br., 8°24´29´´O-Lg.     Standort: Wurster Watt     Errichtet: 1835     Zerstört: 1895



1835
Die Jungfernbake wurde 1835 errichtet
1845
Jungfernbake erneuert
1847

   [Leitfaden zu der Karte von den Mündungen der Weser, Elbe, Jade und Eider, Bremen 1847]

§ XI. Ueber das Verhalten der Schiffsführer, welche vom
Leuchtschiff No. 2, durch das Dwasgatt und Wurster Fahrwasser,
nach der Rhede von Bremerhaven wollen.


Der 5. Cours ist S.O.z.O. und geht gerade auf die Jungfernbake zu, die auf dem Theile des Wurster-Watts steht, welcher den Beinamen Meyers Legde hat. An Steuerbordseite passirt man zuerst die rothe Tonne, welche mit einem kleinen Flügel versehen ist und in der Richtung der westlichen und nördlichen Baake auf Eversand liegt; sodann folgen daselbst, die den Steert der Robben-Plate bezeichnenden schwarzen Tonnen W a, W b und W c, wovon die letztere, mit der südlichen und nördlichen Baake auf Ever-Sand in Linie ist. An Backbordseite hat man zunächst die weisse Tonne No. 8 und dann kommt die mit einem vergoldeten doppelten Adler versehene weisse Tonne, am Fusse des Ever-Sandes; ferner die weiße ein vergoldetes Doppelkreuz führende Tonne, welche, so wie die eben erwähnte rothe Tonne, mit der westl. und nördl. Baake auf Ever-Sand in einer Richtung liegt, und endlich noch mit der W 1 und W 2 bezeichneten weissen Tonnen, ebenfalls am Fusse des Ever-Sandes. Das Ende des Courses hat man erreicht, wenn man sich nahe vor der mit W 3 bezeichneten weissen Tonne befindet, woselbst die südl. und westl. Baake auf Ever-Sand in Linie kommen. ...
   Als Haupt- Land- und Seemarken dienen, vor der Mündung der Weser, der Kirchthurm und der Leuchtthurm von Wangeroog; ferner in derselben, die sogenannte Bremer Baake, am hohen Wege, oberhalb Schmidts-Steert, die 3 kleinen Baaken auf Ever-Sand und die Jungfernbake auf Meyers-Legde.

1869

   ["Bremer Handelsblatt", v. 2.1.1869]

...Was die Baken anbelangt, so werden deren sechs von Bremen unterhalten. Zunächst die beiden Fedderwardener Baken auf dem Außendeichslande zu Fedderwarden, sodann die drei Baken auf dem Eversande und endlich die Jungfernbake.
Eine Hauptreparatur der Jungfernbake ist auch im vorigen Jahre nicht als nothwendig erschienen; der Vorschlag statt des Holzbaues dort einen Leuchtthurm zu errichten, war angesichts der dem Vernehmen nach obschwebenden Projecte der Unterweserfortificationen zur Zeit nicht weiter zu verfolgen. ...

1871
Jungfernbake erneuert
1874
Jungfernbake versetzt

Beschreibung der Baken
[Deputation für das Tonnen-und Bakenwesen Bremen, Juli 1874]

Jungfernbake, (Meyers Legde)
   Diese Bake wird in der Richtung SOzO½O das Dwarsgat offen zeigen, sowie in der Richtung S½O die Einfahrt in das Wurster Fahrwasser.

Geogr. Lage: 53°42´36´´N, 8°24´29´´O

Allgemeine Beschreibung: Hölzerner Bau in der Form einer Jungfrau mit Kopf, Mieder und Rock in einem 3 m hohen Kasten oder Perron mit Steinböschung umgeben, der Makler ist 22,9 m hoch, die 4 Strebenpfeiler 15 m.

Erkennungsmerkmal: ist schwarz gemalt

Höhe des Zeichens über dem Erdboden: 22,9 m
Sichtweite des Zeichens: 6,0 Sm

Zeichen erbaut bzw. geändert: 1845





   Der Sand, auf dem die Jungfernbake steht, ist in fortdauernder Abspülung begriffen und die Bake dem Untergange ausgesetzt; dieselbe wird daher im Laufe des Monats August nach einem ca. 900 Meter nordwärts gelegenen Platze versetzt werden.
   Wird versetzt werden ca. 4 Kabellängen auf 53°42´49´´N 8°24´30´´O.

Planungsunterlagen zur Versetzung der Bake aus dem Jahre 1873



Versetzung der Bake
[NfS. No. 561 v. 24 October 1874]


   Die Handelskammer zu Bremen macht unter dem 15. October d. J. bekannt, dass das Fahrwasser der Weser, zwischen dem Hoheweg Leuchtthurm und der Jungfernbake (Dwarsgat), durch Anwachsen des nördlichen Randes der Robbenplate eine gekrümmte Richtung angenommen hat, wodurch es nötig geworden ist, die Jungfernbake zu versetzen.

Dieselbe ist daher auf dem alten Platze abgebrochen und nunmehr N5°11´W, 945 Met. von der alten Stelle entfernt, in derselben Form wie früher aufgebaut.





   Einkommende Schiffe müssen, wenn dieselben so weit stromaufgesegelt sind, dass der Hoheweg Leuchtthurm SW peilt und die Mündung des Dwarsgat offen kommt, SOzO½O steuern und diesen Kurs einhalten bis die Süd- (Becher-) und West-(Mühlen-)Bake auf dem Eversande in NzW2/4W in Deckpeilung kommen, von wo dann der Kurs auf SzO½O nach dem Wurster Fahrwasser zu nehmen ist.
   Der Fuss der abgebrochenen Bake ist durch eine Stange mit Korbkugel gekennzeichnet.
Geogr. Lage: 53°42´56´´Nord-Br. 8°24´29´´Ost-Lg. von Greenw.

"Mündungen der Jade, Weser und Elbe", Hydrographisches Bureau der Kaiserlichen Admiralität, 1876

1878

Beschreibung der Jungfernbake
[Die Schiffahrtszeichen an der deutschen Küste, 1878]







Meyers Leegde, (Jungfernbake)

Geogr. Lage: 53°42´56´´N-Br., 8°24´29´´O-Lg.
Zweck: Bezeichnet in der Peilung SOzO½O die Mitte des Fahrwassers im Dwarsgat,
in der Peilung S½O die Einfahrt in das Wurster Fahrwasser.
Beschreibung: Auf einem 3 m hohen, von Steinschüttung umgebenen Perron, hölzerner Bau aus 22,2 m hohem Makler und vier 15,5 m hohen Strebenpfeilern.
Durch Bretterverkleidung erhält die Bake die Form einer Jungfrau mit Kopf, Mieder und Rock.
Erkennungsmerkmale: Schwarz
Höhe der Spitze des Zeichens über Erdboden: 22,9 m
Sichtweite des Zeichens: 6 Sm

1880

["Küstenfahrten an der Nord- und Ostsee", 1880/81]

"...Die von den drei Uferstaaten Preußen, Oldenburg und Bremen gebildete Commission, das Tonnen- und Bakenamt, welches jetzt vertragsgemäß die oberste Leitung des Leucht- und Seezeichenswesen der Wesermündung übernommen hat, wird aber in den nächsten Jahren draußen auf dem rothen Sande, zwischen Schlüsseltonne und dem Feuerschiff Bremen Nr.1 , noch einen zweiten Leuchtturm und zwar aus Eisen erbauen. der es den Schiffen ermöglichen soll, auch bei Nacht noch bis zu jenem älteren Turm zu gelangen. Stetig auf unserer Fahrt mehren sich die Baken und Tonnen, die ersteren, wie z.B. die "Becher-", die "Stundenglas-", die "Jungfern-" und die "Windmühlen-" Bake, durch ihre verschiedene Gestalt, die letzteren durch ihre Farbe, Nummer und Buchstaben kenntlich. Zählt man doch von der Schlüsseltonne bis Vegesack nicht weniger als 167 solcher Schiffahrtszeichen..."

   "...Die Fahrtlinie vom Hamburger Hafen bis zur Mündung beträgt 133 km, wovon die letzten 30 km unterhalb Cuxhaven liegen..."

   "...Auf dieser Strecke unterhält Hamburg (1875) 103 Tonnen, 6 Feuerschiffe, 12 Leuchtfeuer auf dem Lande (darunter 3 auf steinernen Leuchttürmen) und 10 Baaken..."

1886






[Segel-Handbuch für die Nordsee, 1886]
Die Jungfern-Bake steht auf dem Wurster Watt und hat die in den deutschen Karten gegebene Form.*



*) Sobald die Errichtung der Thürme für die projektirte Beleuchtung erfolgt sein wird, werden die Baken voraussichtlich versetzt oder ganz abgebrochen werden.
1887

Leuchtfeuer errichtet
[NfS. No. 1365 v. 13. August Juli 1887 ]

Feuer auf dem neu errichteten Leuchtturm Meyers Legde in Betrieb genommen.
1890
Farbe des Toppzeichens geändert

Anstrich geändert
[N.f.S. No. 1510 v. 19.7.1890]

... Das Toppzeichen der Richtungsbake auf Meyers Legde hat anstatt des weißen einen schwarzen Anstrich erhalten ...
1895

Polizei-Verordnung, betreffend das Verbot des Ankerns von Schiffen in der Nähe des bei Meyers Legde errichteten Glockenpegels
[N.f.S. No. 468 v. 23.2.1895]

   In dem ersten am rechten Ufer der Außenweser, südlich von der Jungfernbake liegenden Priele ist etwa 1400 m von der Wattkante entfernt, südöstlich vom Feuerthurm Meyers Legde, ein zum Tragen der Glocke eines Luftdruckpegels dienendes, aus fünf eisernen Pfählen bestehendes Gerüst errichtet, das auf einer Grundfläche von etwa 2,0 qm steht. Die Köpfe der Pfähle ragen nur wenig über Niedrigwasser hervor.
Zwischen der Glocke und dem Leuchtthurm Meyers Legde liegt eine Rohrleitung.
Zur Kennzeichnung des Standortes des eisernen Gerüstes ist eine Bake mit cylindrischem Toppzeichen auf demselben errichtet.
   Falls die Bake in Verlust geraten sollte, wird der Standort durch eine am Gerüst befindliche eiserne Tonne bezeichnet....
Jungfernbake zerstört und wird nicht wieder aufgebaut

Zerstörung der Jungfernbake auf Meyers Legde
[N.f.S. No. 759 v. 30.3.1895]

   Die Jungfernbake auf Meyers Legde ist in der Nacht vom 24. zum 25. März d.J. umgeweht, und man beabsichtigt, dieselbe nicht wieder zu errichten, da sie seit Erbauung der Meyers Legde-Leuchtbake von keiner Bedeutung mehr ist.


Veränderte Betonnung in der Weser
[N.f.S. No. 1336 v. 01.6.1895]

   ... auf dem Mittelpunkte der ehemaligen Jungfernbake, die im März d.J. während eines schweren Sturmes zerstört wurde, ist zu Kennzeichnung der noch vorhandenen Überreste derselben eine Bakenstange mit Trommeltoppzeichen errichtet worden. ...
1898
   In der Richtung 193° (SzW1/8W), etwa 0,5 Sm vom Meyers Legde-Leuchtthurm, ist eine Stange mit Trommeltoppzeichen zur Kennzeichnung der Ueberreste der im März 1895 zerstörten Jungfernbake errichtet.
1905

Wracktonne ausgelegt
[NfS. No. 1544 v. 29.7.1905]

   In dem sogenannten Bakenloch S-lich von Meyers Legde-Leuchtturm sind von dem Fundament der im Jahre 1874 niedergelegten Jungfernbake Steine freigespült. Zu ihrer Bezeichnung ist N-lich von ihnen auf 0,5 m Tiefe bei Nd-Wss. eine grüne Wracktonne mit N-Toppzeichen und der weißen Bezeichnung "Wrack" in folgenden Peilungen ausgelegt worden:
Meyers Legte-Lcht. Tm. rw. 349°, Solthörn-Leuchtbake rw. 119°.
   Geogr. Lage: 53°42´25´´N-Br. 8°25´3´´O-Lg.

2010




Vermutung:
   Das eingezeichnete Schifffahrtshindernis (Obstn) in der Seekarte des Jahres 2010, markiert von dem gelb-schwarzem W-Stangentoppzeichen Bu W8, liegt fast exakt auf der Position der ehemaligen Jungfernbake. Die Bake wurde auf einem ca. 6 m runden steinernen Fundament gegründet, sodass dieses heute noch eine Gefahrenquelle darstellen könnte.

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